Zum Leitmarkt für Elektroautos wolle man die Bundesrepublik Deutschland machen – so die Verlautbarung der Berliner Bundesregierung. Da schwingt einiges mit: Zum einen das Bewusstsein, dass der automobile Weg mit Sicherheit wegführt von den endlichen fossilen Brennstoffen Benzin und Dieselkraftstoff. Aber auch der Anspruch wird deutlich, die Bastion “deutsche Schlüsselindustrie Automobilbau” zu verteidigen, heißt wettbewerbsfähig und weltmarktführend zu positionieren.
Als Frau Berta Benz zu Beginn der Automobilgeschichte mit der von ihrem Ehemann Karl konstruierten Benzindroschke zum Nachtanken bei den Apotheken vorfuhr, da gab es viele in den Städten und Dörfern, die nicht mit ihr tauschen wollten und langfristig eher aufs Pferd setzten. Der Vergleich macht deutlich: Ohne ein dichtes Netzwerk für Energieversorgung und Wartung können Leitmärkte für neue Technologien kaum entstehen. Betrachten wir uns die Versorgungssituation durch die Brille des Elektro-Autofahrers, so bleiben auf dem künftigen Leitmarkt für Elektroautos bezüglich des Service und der Energieversorgung noch zahlreiche Wünsche offen. Es ist absehbar, dass die Optimierung der Versorgungssituation noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Der Aufbau der neuen Versorgungsstrukturen kann nur in friedlicher Koexistenz vonstatten gehen, denn der Benzingeruch wird uns an den Tankstellen der noch lange existierenden Benzindroschken – die vermutlich auch als Stromzapfstellen dienen werden -, noch lange in der Nase liegen.
Die Frankfurter IAA, Internationale Automobil-Ausstellung, zeigte auf, wie der Weg hin zum Elektroauto verlaufen wird. Hybride, die alte und die neue Technologie vorhaltend, sind im Moment das Gebot der Stunde. Denn die verfügbaren Akku-Speichertechnologien schlagen uns ein Schnippchen. Sollen sie leistungsfähig für den Einsatz auf langen Distanzen sein, so sind die Akkus extrem schwer und unvertretbar teuer. Konsequent setzen die innovativen Hersteller auf allen Kontinenten im Moment eher auf Hybride, bei denen beide Antriebsformen der elektronische und der Kraftstoffantrieb im “fliegenden Wechsel” ihren Dienst versehen, denn aufs reine Elektroauto.
Elektrisch angetriebene Fahrzeuge für spezielle Einsatzgebiete gibt es seit der automobilen Frühzeit, womit der Nachweis hinlänglich erbracht ist, dass diese Antriebsart technisch praktikabel und für kurze Distanzen erfolgreich einsetzbar ist. Betrachten wir reine Elektroautos, ohne Hybrid-Fahrzeugtechnik an Bord, so ist die Erkenntnis ökologisch signifikant: Der Ausstoß dieser Fahrzeuge an CO2 erreicht den Traumwert 0,0 Prozent – ein ökologischer Traumwert! Selbst die Betriebsgeräuschkulisse liegt nahe bei null. Jedes Elektrofahrzeug präsentiert sich auf den ersten Blick als Anti-Klimakiller par Excellence. Doch dieser Eindruck ist nicht belastbar, untersucht man unsere derzeitigen Werkzeuge für die Stromerzeugung. Wir stoßen dort auf die ökologische Krux: Unsere Stromversorgung fußt auf einem Stromerzeugungs-Mix, bei dem Kohlekraftwerke nach wie vor eine unverzichtbare Rolle spielen. Solange unsere flächendeckende Stromversorgung darauf nicht verzichten kann, wird das Elektroauto nur sehr bedingt seiner Rolle als “ökologischer Meilenstein” gerecht werden können, den die CO2-Bilanz bei der Einspeisung ins öffentliche Stromnetz ist so gravierend negativ, dass sich Elektroautos – im Moment noch – durchaus dem kritischen Vergleich mit der CO2 -Bilanz eines modernen Benzinmotors gefallen lassen müssen. Zusammenfassend: Passen Elektroautos in die ökologisch auszurichtende Zukunftslandschaft? Ja, sie passen, wenn alle Hausaufgaben erledigt sind. Dies wird noch Jahre in Anspruch nehmen. Vielleicht kann der deutsche Leitmarkt beschleunigend wirken?
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