Dass es in Deutschland einige autofreie Gebiete gibt, ist sicherlich bekannt. Auf einigen Inseln beispielsweise dürfen keine privaten Pkw verkehren. Aber wussten Sie auch, dass es in Münster, also einer echten Großstadt einen autofreien Bereich gibt? Die Siedlung Weißenburg verzichtet komplett auf jegliche Pkw.
Im Jahre 1993 kam zum ersten Mal die Idee auf, einen autofreien Stadtbezirk einzurichten. Damals ahnte aber wahrscheinlich noch niemand, dass aus der vagen Idee bereits zehn Jahre später eine richtige Siedlung entstanden sein wird. Doch mit dem Zuschlag, dass Münster Modellstadt für Wohnen ohne eigenes Auto werden darf, begannen konkretere Planungen. Weißenburg sollte etwa 2,5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt entstehen. Als Gelände bot sich die ehemalige Hindenburgkaserne an. Die Johanniter Unfallhilfe stellte sich als Eigentümer bereit und die Wohnungsgesellschaft Münsterland sprang als Investor ein. So konnten in nur wenigen Jahren etwa 140 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern errichtet werden. Die zukünftigen Bewohner wurden schon früh in die Planungen miteinbezogen, sodass sie beispielsweise bei der Gestaltung von Freiflächen mitreden und -entscheiden durften.
Schon vor Bezug der ersten Wohnungen war es den Planern wichtig, die zukünftigen Bewohner in alle Entscheidungen mit einzubeziehen. Die Gestaltung der Freiflächen wurde ebenso diskutiert und besprochen, wie die Einrichtung von Gemeinschaftsräumen und Ähnlichem. Die Bewohner von Weißenburg leben nun in Sozialwohnungen, bei deren Bau auf die neuesten ökologischen Erkenntnisse und Techniken geachtet wurde. So befinden sich die Wohnungen in Niedrigenergiehäusern, die Dächer sind begrünt und es gibt viele Freiflächen mit hohem Baumbestand. Besonders wichtig ist, dass sich die Bewohner beim Unterschreiben des Vertrages verpflichten, kein eigenes Auto zu besitzen und die Siedlung unter keinen Umständen mit einem Auto befahren. Die besondere Bindung der Bürger in Weißenburg untereinander zeigt auch die Einrichtung eines Siedlungscafés. Hier gibt es sonntags Kaffee und Kuchen. Zugleich ist dieser Ort aber auch Anlaufstelle für Tagesmütter und ihre Tageskinder, Feierraum für Geburtstage und ähnliche Anlässe und Ausgabestelle der Münster-Tafel. Für eine Anbindung an andere Teile der Stadt sorgen Buslinien des öffentlichen Nahverkehrs, die am Rande des Gebietes ihre Haltestellen haben. So sind die Bewohner trotz ihrer Autofreiheit gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden.
Viele Vorteile einer solchen Siedlung liegen sicherlich auf der Hand und müssen an dieser Stelle nicht ausführlich beschrieben werden. Es ist schließlich nicht verwunderlich, dass das Ausbleiben von Autos eine positive Auswirkung auf die Luft in diesem Gebiet hat. Abgase geben viel CO2 in die Luft ab, was in diesem Gebiet nun nicht mehr der Fall ist. Außerdem wird die Lebensqualität dadurch gesteigert, dass Flächen, die normalerweise als Parkplätze gebraucht werden zur Verfügung stehen, um Feste auszurichten, größere Spielplätze anzulegen oder einfach Treffpunkte zu gestalten. Für Kinder ist das Leben in einem solchen Gebiet sicherer, da die Wege nicht befahren werden dürfen und somit die Unfallgefahr sinkt. Im Notfall ist es natürlich geregelt, dass Fahrzeuge wie Krankenwagen oder Feuerwehren das Gebiet befahren dürfen. In diesem Fall steht die Sicherheit der Bewohner von Weißenburg natürlich vor dem Grundsatz der Autofreiheit.
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